Mittwoch, 11. März 2009

Mal ganz privat.

Nach dem vielen Medienrummel soll ja nicht der Eindruck entstehen, jener sei mir zu Kopf gestiegen. Deshalb hier ein kleiner Blick hinter die Kulissen, in das Alltagsleben des TV-Stars ;)


Ja, Waschmaschinen gibt's hier sehr kaum; praktisch alle Cusqueños waschen ihre Wäsche selbst; viele haben auch Hausangestellte, die für die ganze Familie waschen - ich leider nicht. Es ist allerdings ein großer Spaß, wenn die Jungs und ich am Wochenende Wäsche waschen: das Radio bis zum Anschlag, die Zungen locker, und immer Wasser zur Hand, um die anderen nasszumachen...

Efraín oben, William und Orlando unten.

Und am Ende hat man nicht nur vom Schrubben geschwollene Hände, sondern auch eine stolzgeschwellte Brust angesichts der imposanten Ladung sauberer Wäsche, die man produziert hat!

Auf diesem Foto wird die Socken-Aufhängung begrenzt von charki, einem Stück Fleisch, das eingesalzen und zum Trocknen aufgehängt wird und so manchmal monatelang an der Leine hängt. (Nicht so mein Geschmack.)
Leider ereilt unsere Wäsche oft ein ähnliches Schicksal, denn durch die Regenzeit kann es passieren, dass die Wäsche, bevor sie trocken ist, von einem Regenschauer neu befeuchtet wird... Und dieser Zyklus kann sich mehrere Tage lang wiederholen: bis die Sonne mal eine vollständige Trocknung schafft und wir schnell genug sind und die Wäsche vorm nächsten Schauer abhängen!
Mittlerweile hab ich sie aber auch schon ein paar Mal in die Wäscherei gebracht, weil sie durch die Feuchtigkeit doch schnell muffelt :/

Montag, 16. Februar 2009

Kleiner Nachtrag.

Letzte Woche gab's noch einen Fernseh-Autritt, und zwar live in einer Nachrichtensendung! Eigentlich hätte der am Donnerstagmorgen um 7h stattfinden sollen, dann verschlief Welte aber; die Sache wurde also um einen Tag verschoben. Das war zwar mein freier Tag, an dem ich auch gerne verschlafen hätte, - aber was tut man nicht alles für Glanz und Glamour!



Mittwoch, 11. Februar 2009

Wachsende Berühmtheit!


Das "Armen-"Krankenhaus Antonio Lorena.

Letzten Freitag kam Prof. Dr. Karl Welte, Hämatologe aus Hannover, nach Cusco. Er ist mit Pepe befreundet und will in obigem Krankenhaus die Behandlung von Kinder-Leukämie möglich machen. Bisher müssen die Kinder noch nach Lima, in den allermeisten Fällen können die Eltern Reise und Behandlung aber nicht bezahlen. Und so liegt die Sterberate für Kinder-Leukämie hier in Peru bei ca. 90%.
Im Moment liegt in dem Krankenhaus ein zweijähriger Junge mit Leukämie. Vor ein paar Wochen war schon eine Kinderkrankenschwester aus Hannover angekommen, die sich schon mal die Situation anschauen sollte. Welte brachte nun einen ganzen Koffer voller Medikamente mit, um mit der Behandlung direkt zu beginnen.

Die Mannschaft im Anmarsch: Pepe, Rieke (Kinderkrankenschwester aus Hannover), dann Julia (Freundin & Kollegin von Welte), Welte, ein peruanischer Arzt und der Direktor des Krankenhauses.

Das ist der Kleine, der dem Ganzen etwas misstrauisch gegenüberstand, mit Papa.


Doch bevor die Behandlung losging, mussten natürlich große Reden geschwungen werden. Zuerst vor versammeltem Personal...

Weil Welte nur wenige Brocken Spanisch kann, wurde der erstbeste Dolmetscher an seine Seite gestellt...

Und das war erst der Anfang! Nach den Reden kam auch noch das Fernsehen und hat Welte interviewt. Das lief dann so: Reporter -> ich -> Welte -> ich -> Reporter. Ob dabei tatsächlich die passende Antwort auf die Reporter-Frage rauskam, kann sich jeder ausmalen, der schon mal Stille Post gespielt hat ;)

Mein erster Dolmetscher-Job war zwar etwas nervenaufreibend, aber hat auch viel Spaß gemacht! Zum Glück laufen solche Dinge in Peru - im Gegensatz zu Deutschland - viel weniger perfektionistisch ab! Ich wurde jedenfalls in den folgenden Tagen immer wieder auf meine TV-Berühmtheit angesprochen...

Nach der Pressekonferenz gingen wir noch in die Blutbank des Krankenhauses, die selbstverständlich über eigene Kapelle mit zugehöriger Jungfrau verfügt. Na, dann kann man ja die Hygiene guten Gewissens etwas vernachlässigen!


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Am nächsten Tag (Samstag) gab Pepe dann große Willkommensparty für seine Besucher. Im Moment sind wir ja einige Deutsche hier: Welte (seine Freundin ist Russin), Rieke, zwei Medizinstudenten aus Hannover und ich. Die peruanischen Jungs waren glücklich...



Ich auch...


Mittwoch, 4. Februar 2009

Indianische Sauna.


Vor anderthalb Wochen hatte Marion, eine Kollegin und ständige Mitarbeiterin in Acupari, Geburtstag, und schenkte sich selbst eine 'indianische' Sauna. Ihre Hippie-Mitbewohner und wir Kollegen waren eingeladen; das Problem war nur, dass die Sauna morgens um 7h anfangen sollte. So quälte ich mich in der Dämmerung aus dem Bett und die leeren Gassen Cuscos hinauf.


Gemeinsam und klamm erklommen wir die Anhöhe von Cusco und waren froh, uns am Feuer des Schamanen wärmen zu können. (In der Mitte Marion, links daneben ihre Hippies - mich ausgenommen ;) -, rechts eine Kollegin und ihre Freunde.)

Die Sauna-Steine lagen schon im Feuer und warteten auf ihren Einsatz. So zogen wir uns Badekleidung an und krochen in die Sauna: den Schoß von Mutter Erde.


Der Gehilfe des Schamanen schaufelte von draußen die glühenden Steine herein, die von uns - wegen ihres Alters und der damit verbundenen Weisheit - respektvoll mit "Ahou, abuelito" (Hallo, Großväterchen) begrüßt wurden. Dazu sangen wir "Corazones de fuego entran" (Feuerherzen kommen herein). Auf die heißen Steine streute der Schamane duftende Substanzen...

...Dann kippte er Wasser darüber, und der Dampf hüllte uns ein. Der Schamane sang oder erzählte kleine symbolische Geschichten; dabei vermischte er so ziemlich alles, was man sich an Religionen so denken kann: Crazy Horse kam vor, Jesucristo und das Karma, und natürlich auch traditionelle andine Elemente. Viermal wiederholte sich die Prozedur, symbolisch für die vier Himmelsrichtungen und die vier Elemente.
Nach zweieinhalb Stunden krochen wir schließlich erschöpft aus der Sauna und begossen uns mit Eimern kalten Wassers. Es gab Wassermelone, und einer der Hippies bot Streckübungen an (bei mir knackte das Rückgrat gewaltig...).


Dann traten wir erschöpft den Rückweg hinunter nach Cusco an.


Die Sauna war insgesamt wohltuend und eine interessante Erfahrung; ich hatte allerdings den Eindruck, das alles sei sehr auf Touristen zugeschnitten. Tatsächlich gibt es nämlich auch traditionelle Saunen, sogenannte baños de florecimiento (Bäder zur Blüte/zum Wachstum), welche die Seele reinigen und zum Blühen bringen sollen. Überhaupt findet man hier häufig Wahrsager, die einem z.B. aus Cocablättern die Zukunft weissagen, oder Heiler, die einem ein totes Meerschweinchen über den Körper führen und dann in den Eingeweiden des Tiers die Probleme und Krankheiten ablesen, an denen man leidet. Eine Kollegin hat dieses Experiment gewagt - bei ihr wurde die Diagnose allerdings mit Hilfe eines Ei(dotter)s gemacht -, und sie war von der Richtigkeit der Analyse verblüfft.
Wer weiß, was dran ist...

Freitag, 9. Januar 2009

Das Neue.

2009! Alles Gute für's neue Jahr!
Bei mir hat das Jahr mäßig angefangen, ich hatte nämlich einen Kampf mit Magen-Darm-Parasiten auszutragen und konnte so weder verreisen noch mit Sekt auf den Jahreswechsel anstoßen. Damit das neue Jahr trotzdem was wird, hab ich mir natürlich sofort einen peruanischen Neujahrsstrauß gekauft sowie an Silvester eine gelbe Unterhose getragen - das soll Glück bringen. (Von der Unterhose gibt's allerdings kein Bild...)

Gestern, am Donnerstag gingen auch schon die neuen Sprachkurse los, nachdem Acupari über Radio und TV dafür geworben hatte. Im bombastischen TV-Spot brilliere ich in einer Nebenrolle...




Montag, 22. Dezember 2008

Weihnachten in Acupari

Wir Deutschlehrer hatten in den letzten Wochen immer wieder regelrechte Heimweh-Attacken!
Für unsere Schüler gab es einen Adventskranz, so dass jede Klasse an einem bestimmten Dezembertag ihr Säckchen ziehen durfte, worin sich Süßes und ein deutsches Weihnachtsgedicht oder -lied befand. Letzteres wurde im Unterricht dann einstudiert und in einer anderen Klasse vorgetragen. Was für die Schüler eine nette Unterrichtspause bedeutete, verursachte bei uns Lehrern bei der Vorbereitung wie bei der Durchführung die obengenannten Anfälle. Bei einer Lehrerin führte es sogar soweit, dass sie letzte Woche noch einen Flug buchte, der gestern startete...

Für die Lehrer gab's einen extra Adventskalender, und diese intensive weihnachtliche Stimmung in Acupari ließ im Lehrerzimmer eine kreative Quelle sprudeln, die zu folgendem Ergebnis führte:


Man muss dazu sagen, dass es in Peru durchaus Weihnachtsbäume gibt, allerdings sind die fast ausschließlich aus Plastik, und wir fanden, dass zumindest vom Material her Bücher da doch näher am Baum dran sind!

Am Freitag, dem letzten Unterrichtstag, wurden in den Klassen auch Weihnachtsstunden gemacht, mit Wichteln (heißt hier amigos secretos), heißer Schokolade, Panetón (das sind große Weißbrote mit Rosinen und kandierten Früchten drin) und Sekt. Ich bekam von meiner Wichtelpartnerin ein Trikot vom hiesigen Fußballverein und habe tatsächlich gestern schon viel besser gespielt ;)

Den hat einer meiner Schüler (der Kunst studiert) als Weihnachtsdeko an die Tafel gemalt - blau deshalb, weil ihm rot zu alltäglich war...


Am Abend schließlich fand dann die Weihnachtsfeier der Deutschlehrer statt. Man muss wirklich sagen, es hat kaum was gefehlt. Das lag zum einen daran, dass eine Lehrerin hier auch ein Restaurant besitzt und für die richtigen Speisen gesorgt hat.


Zum anderen ist Maria, unsere Chefin, die deutsche Honorarkonsulin von Cusco und darf auf Kosten des deutschen Staats ganz ordentliche Bestellungen in Deutschland aufgeben. So gab es Lebkuchen, jeder von uns bekam einen Nikolaus etc.

Die Bescherung fiel also reichlich aus, und schon Kleinigkeiten wie die deutschen Lebkuchen wurden mit großer Freude in Empfang genommen!

So, jetzt wünsche ich Euch allen frohe Weihnachten und schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!

Wie ich die kommenden zwei Wochen verbringen werde, ist noch nicht ganz klar, aber eine Reise (vielleicht in den Urwald?) wird auf jeden Fall dabei sein.

Donnerstag, 13. November 2008

Im Heiligen Tal.

Letztes Wochenende war ich mit den Acupari-Kollegen im Heiligen Tal (Valle Sagrado) bei dem zehnjährigen Jubiläum eines Kinderheims. Das Tal heißt so, weil es sehr fruchtbar ist und ein gemäßigtes Klima hat - im Gegensatz zum Hochland links und rechts davon. Auf dem folgenden Foto sieht man im Vordergrund das Hochland von Cusco und im Hintergrund die schneebedeckten Berge auf der anderen Seite des Tals.


(Ganz links ist meine Chefin und Konsulin Maria, ganz rechts ihr peruanischer Mann Flavio, halblinks und -rechts Sabine und Dominik, zwei Kollegen, und in der Mitte Shirley, die peruanische Frau von Dominik.)

Vor unserem Besuch im Heim sind durch Urubamba (unten im Tal) gefahren, wo gerade Dorffest war.

Im Kinderheim dann wurden wir sehr herzlich empfangen und zum Mittagessen eingeladen. Das Heim wurde von einem Deutschen gegründet und wird von Deutschland aus finanziert (wir wurden von manchen auch fälschlicherweise für die großzügigen Spender gehalten...). Seine Lage ist sehr idyllisch:


Wegen der Idylle ist das Heilige Tal bei wohltätigen Europäern sehr beliebt, und so gibt es dort sechs Kinderheime (darunter eins von Peter Maffay), obwohl eigentlich gar nicht soviel Bedarf herrscht. Dort hingegen, wo wirklich Not am Kind ist (in den entlegenen, kargen Regionen), will niemand hin...

Zu jeder Feier gehören immer auch traditionelle Musik, Tänze und Kostüme:



Zum Abschluss des Tages kehrten wir in Pisaq, einem anderen Ort, in dem Café einer Deutschen ein und fraßen uns mit Käsekuchen und Apfelstrudel voll. (Die Hälfte des Kollegiums - darunter auch ich - sollte den Heimweh-Anfall bitter mit allerlei nicht detailbedürftigen Verdauungsproblemen büßen...)
Die Rückfahrt war sehr lustig: Der CD-Player wurde voll aufgedreht, und das ganze Kollegium inklusive Chefin grölte lauthals mit bei Maná, Juanes, Jarabe del Palo und peruanischen Schlagern...